Museen auf Tournee

New York, Bilbao, Paris – berühmte Kunstwerke wandern von einem Ausstellungsort zum nächsten, damit möglichst viele Menschen sie sehen können. Eine Gruppe deutscher Künstler geht jetzt noch einen Schritt weiter: Sie schickt gleich ganze Museen auf Reisen. 

Public Art Lab Berlin (PAL), eine Plattform für den Austausch zwischen Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, hatte international bekannte Künstler eingeladen, aus recycelbaren PVC-Platten individuelle Ausstellungsräume zu konstruieren und zu gestalten. “Die modulare Bauweise ermöglicht eine flexible Architektur. Dadurch kann der Künstler Raum und Werk optimal aufeinander abstimmen”, erklärt Projektleiterin Susa Pop von PAL. So entstanden die vier mobilen Museen, die von Mitte März bis Mai in Europa unterwegs waren. Da die Wände dieser Ausstellungsräume sehr leicht sind, lassen sie sich in nur anderthalb Tagen aufbauen. Weiterer positiver Nebeneffekt des Werkstoffs PVC – die Museen sind extrem wetterbeständig.

Begehbare Raumskulpturen
Die Bildhauerin Franka Hörnschemeyer hat ihr Ausstellungsmodul in ein begehbares Labyrinth verwandelt und benutzte dabei auch im Inneren Platten aus PVC. Die 45 Gangwände lassen sich um ihre eigene Achse drehen. So verändert sich mit jedem Schritt die Struktur des Labyrinths. Stoff, Klang und Licht – das sind die Elemente des zweiten Museums. Der Künstler Gilbert Bretterbauer hat sämtliche Oberflächen mit Teppichen und Textilbahnen ausgekleidet. In diesem schallisolierten Raum ertönt eine Komposition von Hans-Joachim Roedelius, einem Klangpionier der elektronischen Musik. Im Zentrum steht die einzige Lichtquelle, eine Skulptur von Isamu Noguchi.

Ausschliesslich mit Licht arbeitet der Künstler Hans J. Wiegner im dritten Museum. Mit seiner Installation “Heaven” erzeugt er in zwei separaten Raummodulen die Illusion von Morgenröte beziehungsweise Abenddämmerung. Der vierte Ausstellungsraum ist als offenes Studio konzipiert, in dem das Programm – je nach Stadt – wechselt. Gezeigt werden unter anderem Performances, in die der Besucher einbezogen wird.

Die mobilen Museen sind Teil des Programms Kultur 2000, mit dem die Europäische Kommission ausgewählte Projekte fördert. Sie waren bisher in Berlin, Wien und Barcelona zu sehen. Für zwei bis vier Wochen stehen sie dann jeweils an einem zentralen Ort der Stadt – in Berlin zum Beispiel auf dem Potsdamer Platz. “Ist man täglich in der Stadt unterwegs, ist einem vieles vertraut. Unsere mobilen Museen durchbrechen die Sehgewohnheiten und verändern Atmosphäre und Struktur des öffentlichen Raumes”, erklärt Susa Pop. “Gleichzeitig schaffen wir mitten in der Grossstadt Orte der Ruhe und inneren Einkehr.”

Info:
www.publicartlab.com

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