Schöne neue Tapetenwelt

Blumen, Kreise, Schlangenlinien, und zwar möglichst grell und bunt. So sahen nicht nur Hemden und Hosen in den wilden 70ern aus, flippige Muster zierten auch die Wände vieler Wohnungen. Die Wand als Objekt gestalterischer Freiheit – möglich wurde das durch neue Drucktechniken und PVC. Dreissig Jahre später liegen ausgefallene Designs wieder voll im Trend. 

Die deutsche Tapetenindustrie hatte Polyvinylchlorid in den 70er Jahren entdeckt. Neue Drucktechniken erlaubten es, PVC-Pasten zu verarbeiten. Ergebnis war die leicht zu reinigende Strukturschaumtapete mit reliefartiger Oberfläche und nahezu grenzenlosen Designvariationen. In den folgenden Jahrzehnten war es eher tabu, die eigenen vier Wände derart auffällig zu tapezieren. Zurzeit aber erleben mutige Dekors wieder eine Renaissance – beispielsweise durch Andrea Baum und Susanne Schmidt. Die zwei jungen Innenarchitektinnen haben eine Foto-Tapete der besonderen Art entworfen: mit lebensgrossen und lebensechten Mitbewohnern. “Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie nach der Arbeit zu Hause von jemandem empfangen werden. Unser Paul sitzt in seinem Sessel, wartet geduldig und lächelt”, erzählt Susanne Schmidt.

Paul und alle anderen Modelle des Design-Teams haben gegenüber realen Hausgenossen entscheidende Vorteile. Immer nett und sympathisch, machen sie weder Dreck noch nörgeln sie über die Fernsehserie… Beim Umzug kommen sie einfach mit: Das Material aus Vlies und PVC ist leicht abzuziehen und kann problemlos wiederverwendet werden. Und sollten Paul & Co. mal schmutzig werden, ist auch das im Nu behoben, denn die beschichteten Tapeten sind abwaschbar.

Tapete im Bauhaus-Look
Retro-Muster in den unterschiedlichsten Variationen bietet auch die Marburger Tapetenfabrik. Seit fünf Jahren überrascht ihre Künstlerkollektion “art borders” stets aufs Neue mit kühnen Entwürfen. In diesem Jahr zieren die Ornamente von Karim Rashid im Look der späten 60er die Tapetenbahnen. Rashid, Shootingstar der internationalen Designszene, setzt dabei ganz auf bunte und imposante Formen.

Wer es für die eigenen vier Wände etwas nüchterner, aber trotzdem exklusiv haben möchte, kann bei der Tapetenfabrik Gebrüder Rasch auf künstlerische Entdeckungsreise gehen. Bereits seit 1928 bringt das Unternehmen regelmässig die berühmte Bauhaus-Kollektion heraus – nach Originalentwürfen von Walter Gropius.

Ob sich die gestalterisch auffälligen Tapeten beim Otto Normalverbraucher durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Branchenexperten jedenfalls sprechen bereits von einem Trend, der noch viel Innovatives bieten wird. Auch die beiden Erfinderinnen der Single-Tapete planen in ihrem Design-Büro “sb 2designers” Neues. “Wir möchten die Tapete mit individuellem Motiv möglich machen”, erklärt Susanne Schmidt. Mutter, Bruder, Tante, Liebster – sie alle könnten dann in Lebensgrösse an die Wand geklebt werden.

Info:
www.single-tapete.de
www.marburg.com
www.rasch.de

Share Button