Theorie und Praxis – sehr gut

Tassen, Teller, Schalen und Co. aus PVC sind wahre Multitalente – rutschfest, elastisch und bunt. Was sonst noch alles in ihnen stecken kann, das fanden Studenten der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim heraus. 

Gestaltung von Schmuck und Gegenständen der Alltagskultur – so lautete im vergangenen Wintersemester eine Aufgabe für die Studenten vom Fachbereich Schmuck und Gerät. Dabei hatten sie freie Wahl, mit welchen Werkstoffen sie arbeiten wollten. “Es ging darum, mit den unterschiedlichen Materialien zu spielen und ihre Eigenschaften zu verstehen. Denn der harakter eines Stoffes beeinflusst den Designprozess”, erklärt Christine Lüdeke, Professorin an der FH Pforzheim. PVC interessierte die Jungdesigner besonders. Weil der Werkstoff sehr flexibel und zum Teil elastisch ist, lassen sich damit Gegenstände gut gestalten.

Ein multifunktionales Material
“Reizvoll an PVC ist, dass es sich gut mit anderen Materialien kombinieren lässt – das gibt Raum für Phantasie”, erläutert Christine Lüdeke. Das bewiesen auch die Studenten, die auf ungewöhnliche Ideen gekommen waren: Eine Studentin überzog beispielsweise eine Tasse inklusive Kaffeefilter mit flüssigem PVC-Plastisol. Tasse und Filter wurden nach dem Gelieren entfernt, so dass nur die verbindende Kunststoffhaut übrig blieb. So entstand ein Trinkgefäss mit integriertem Filter – aus dem getrunken werden kann, ohne den Aufsatz zu entfernen. Ein anderes Beispiel für eine neue Produktidee sind PVC-Eisschalen in Form von Seerosen. Die Schalen sind gegen Wärme isoliert und können in der Wanne schwimmen wie Badeenten. Eine Studentin experimentierte auch mit der Transparenz von PVC. Sie übergoss alte Tapetenmuster mit dem Kunststoff und härtete ihn im Ofen aus. Interessanter Effekt des Objektes: Das Tapetenmuster schimmert durch den Kunststoff.

Learning by doing
Die Unternehmen EVC und Solvin stellten das PVC als Pulver zur Verfügung. Das wurde mit flüssigem Weichmacher verrührt. Ob Rot, Grün oder Gelb – mit Hilfe von Pigmenten konnte jede gewünschte Farbe gemischt werden. Die Studenten gossen die flüssige Masse entweder in Hohlformen oder pinselten sie auf Gegenstände. Da das Material aushärten muss, kam es anschliessend in einen Umluftofen. Aber wie lange und bei wie viel Grad muss PVC “gebacken” werden? Da es keine Erfahrungswerte gab, hiess es: ausprobieren, bis es funktioniert. “Am Anfang bekamen wir oft andere Resultate als gewünscht. Aber die inspirierten auch wieder zu neuen Ideen”, erzählt Christine Lüdeke.

Der Lohn der Arbeit
Am Ende des Semesters stellte die Fachhochschule alle Arbeiten in einer Werkschau aus. Einzelne besonders gelungene Objekte wie eine aufblasbare Teetasse oder eine Kette mit Kruzifix wurden sogar auf der bedeutenden Schmuckmesse Inhorgenta in München gezeigt. “Einige der Gegenstände”, so Christine Lüdeke, “haben auch das Potenzial, in Serie zu gehen. Wir hoffen, das Interesse der Industrie dafür zu gewinnen.”

Info:
www.fh-pforzheim.de
www.ludekedesign.com

Share Button